Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Léona Delcourt, 1902 in Nordfrankreich geboren, begegnete André Breton am 4. Oktober 1926 in Paris und wurde zur Inspirationsfigur seines zwei Jahre später erschienenen surrealistischen Prosatexts «Nadja». Die beiden trafen sich zunächst fast täglich; Breton bewunderte ihre Unangepasstheit und deutete ihre Bilder, Briefe und Äusserungen als Ausdruck eines von Logik befreiten Bewusstseins. Im Februar 1927 wurde Delcourt nach auffälligem Verhalten in ihrem Hotel in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, worauf der Kontakt abbrach. Breton rückte sie später zunehmend in die Rolle einer literarischen Erscheinung und strich in der Ausgabe von 1962 eine Anspielung auf eine gemeinsam verbrachte Nacht. Öffentlich gewordene Manuskripte, Notizhefte und Korrespondenz ermöglichen heute eine genauere Biografie: Delcourt war Tänzerin und Animierdame, lebte in finanzieller Not, war seit ihrem 17. Lebensjahr Mutter und starb 1941 mit 38 Jahren an einem Tumorleiden. Ihr anonymes Grab in Bailleul wurde später identifiziert und gekennzeichnet.