Themen: Kultur/Feuilleton, KI/Digital
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Ein Wasserschaden im Parkett zwingt den Autor, seine seit Jahren gefüllten Bücherregale abzubauen. Zwischen ungelesenen Bänden, Staub, Insektenresten und feuchtem Mauergeruch begegnet er seiner persönlichen Bibliothek als geistigem Fussabdruck und als Ansammlung von Bildungslücken. Bücher erscheinen ihm zugleich als langlebige Begleiter und als materielle Dinge, die veralten, riechen und Platz beanspruchen. Dem schnell verfügbaren Bildschirmwissen stellt er die vermeintlich haltbarere Aneignung durch Lesen und Blättern gegenüber. Die Regale erinnern ihn an Wohnungen älterer Weggefährten, deren Unordnung für ihn Ausdruck eines dichten Netzes geistiger Bezüge war. Zugleich fragt er, wann Vernachlässigung in Verwahrlosung übergeht und aus einer Wohnung ein Museum wird. Unbenutzte Bücher, alte Medien und Sammlerstücke können zu Relikten oder Sondermüll werden. Dennoch warnt er davor, übersehene ältere Bücher vorschnell für irrelevant zu halten, gerade angesichts drohender Geschichtsvergessenheit.