Themen: Gesundheit, Gesellschaft, Leben
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Eine hörbeeinträchtigte Person beschreibt, wie anstrengend Gespräche in lauten Räumen sein können. Sie beobachtet Lippen, Zungenbewegungen und den Kontext, um ähnlich klingende Wörter zu unterscheiden. Intensiver Blickkontakt wird dabei mitunter fälschlich als Flirt interpretiert, obwohl er dem Verstehen dient. Witze bleiben oft unverständlich, weil Nachfragen als belastend empfunden wird. Mit zehn Jahren erhielt die Person erstmals ein Hörgerät. Die neue Geräuschkulisse wirkte zunächst überwältigend: Stimmen, Verkehr, Tastaturen, Atemgeräusche und Kinderlärm erschienen zu laut und zu nah. Sie wollte die Geräte zunächst nicht mehr tragen. Zugleich hörte sie erstmals Vogelstimmen, das Rauschen von Bäumen und herannahende Schritte. Das gab ihr unterwegs mehr Orientierung und Sicherheit. Heute nutzt sie die Hörgeräte weiterhin, setzt sich für gutes Licht möglichst ans Fenster und reguliert bei störendem Stadtlärm die Lautstärke. Die Stadt passt sich so zumindest teilweise ihren Ohren an.