Themen: Gesundheit, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Daniel Scheidegger kritisiert den steigenden Konsum medizinischer Leistungen und fordert eine bessere Aufklärung über Nutzen und Nebenwirkungen von Behandlungen. Bei teuren Krebsmedikamenten müsse auch die Lebensqualität während zusätzlich gewonnener Monate berücksichtigt werden. Patientinnen und Patienten würden nach seiner Einschätzung oft auf Eingriffe verzichten, wenn sie umfassend informiert wären. Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften plädiert für eine «Slow Medicine» und dafür, nicht jede medizinisch mögliche Behandlung anzustreben. Er kritisiert finanzielle Anreize für zusätzliche Untersuchungen, intransparente Medikamentenpreise und mangelnde Informationen zur Qualität von Spitälern. Der Bund soll seiner Ansicht nach insbesondere bei den Spitallisten stärker regulieren können. Für die Versorgung seien erfahrene Behandlungsteams wichtiger als eine möglichst kurze Distanz zum Spital. Scheidegger warnt zudem, steigende Gesundheitsausgaben könnten Mittel für Bildung, Kultur und Soziales verdrängen. Die Gemeinschaft müsse deshalb mit dem Gesundheitsbudget haushalten.