Themen: Krieg&Frieden, Gesellschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 endete in Deutschland die nationalsozialistische Herrschaft, doch für viele Frauen begann eine neue Gewaltgeschichte. Historikerinnen und Historiker gehen von Hunderttausenden Opfern sexueller Gewalt aus; Schätzungen reichen bis über eine Million. Die persönliche Erinnerung der Grossmutter des Autors steht für Erfahrungen von Vergewaltigung, ungewollten Schwangerschaften, unsicheren Abbrüchen und Suiziden aus Verzweiflung. Daneben schildert der Beitrag die sowjetischen Speziallager in der Besatzungszone. Der NKWD internierte dort neben ehemaligen NS-Funktionären zunehmend auch Menschen ohne ordentliches Gerichtsverfahren, darunter politische Verdächtige und Denunzierte. Rund 180’000 Menschen waren in den Lagern inhaftiert, etwa ein Drittel starb an Hunger, Krankheiten und Haftbedingungen. In der DDR wurden sexuelle Gewalt und die Speziallager wegen des offiziellen Bildes der Sowjetunion als Befreierin lange kaum öffentlich thematisiert. Der Beitrag kritisiert zudem heutige Gruppen, die Stalin verherrlichen.