Themen: Ukraine Krieg, Geopolitik, Krieg&Frieden
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Sönke Neitzel und Katrin Eigendorf blicken auf ihre Fehleinschätzungen vor Russlands Grossangriff auf die Ukraine 2022 zurück. Beide seien überrascht worden, weil sie eigene Erwartungen und Hoffnungen nicht genügend hinterfragt hätten. Eigendorf verweist auf die deutsche, von Schuld geprägte Sicht auf Russland und darauf, dass ukrainische Stimmen zu wenig gehört worden seien. Sie bezweifelt, dass Russlands Politik vor allem aus berechtigten Sicherheitsängsten gegenüber der Nato zu erklären ist. Autokratische Herrscher instrumentalisierten Geschichte, um Macht und Kontrolle zu sichern; in der russischen Gesellschaft sieht sie eine tief verankerte Gewalt und Verrohung. Russland werde deshalb für Europa wohl dauerhaft als Bedrohung gelten, auch nach einem möglichen Regimewechsel oder Frieden mit der Ukraine. Neitzel zieht einen Vergleich zum Kalten Krieg: Eine spätere Entspannung könne allenfalls über wirtschaftlichen Austausch entstehen, sofern dieser nicht neue militärische Angriffe finanziere.