Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Rabbiner Michael Goldberger deutet den Wochenabschnitt Haasinu als Aufforderung zu einem reflektierten Umgang mit Geschichte. Moses fasse vor dem Einzug ins verheissene Land die Vergangenheit Israels zusammen, erwähne aber weder die Sklaverei in Ägypten noch den Auszug und die Rettung am Schilfmeer. Goldberger versteht dies als bewusste Ermutigung für eine neue Generation freier Menschen: Das Leiden der Vorfahren müsse erinnerbar bleiben, dürfe jedoch nicht zum alles bestimmenden Identitätsfaktor werden. Auch während der Hohen Feiertage und an Jom Kippur gehe es darum, vergangene Verfehlungen, verpasste Chancen und erlittene Erfahrungen einzuordnen. Menschen seien mehr als Produkte ihrer Geschichte und könnten aus überstandener Not reifer hervorgehen. Die Vergangenheit solle weder verdrängt noch unaufhörlich vorgebracht werden. Neues werde möglich, wenn sie genau betrachtet, integriert und als Quelle des Lernens begriffen werde.