Themen: Wissenschaft, Geopolitik, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Alfred de Quervains Schweizerische Grönlandexpedition von 1912/13 durchquerte das Inlandeis auf rund 700 Kilometern von Westen nach Osten. Der Geophysiker verband den Anspruch einer Erstbegehung mit glaziologischen und meteorologischen Messungen und taufte ein Gebiet «Schweizerland». Staatliche Mittel erhielt er nicht; private Geldgeber, darunter die NZZ, finanzierten das Unternehmen gegen exklusive Berichterstattung. Die Expedition war zugleich in den dänisch-grönländischen Kolonialhandel eingebunden: Dänemark stellte Logistik, Infrastruktur und den kontrollierten Zugang zu Siedlungen und Inuit bereit. Die Forschenden übertrugen alpines Wissen, Organisationsformen und Ausrüstung auf die Arktis, waren aber auf lokale Kenntnisse und Schlittenhunde angewiesen. De Quervains Vorträge und Reiseberichte erzeugten in der Schweiz ein Polarfieber und inszenierten Heldentum. Nach dem Krieg setzte Robert Haefeli dagegen auf internationale, neutrale Wissenschaft und Diplomatie, obwohl Grönland im Kalten Krieg auch militärisch umkämpfter Raum blieb.