22.5.2026 Hauptsache, am Ende steht eine 1, also 8001. Die Zürcher Altstadt strahlt immer noch Seriosität, Liquidität, Tradition aus. Hier wollen viele Firmen ihren Sitz haben, auch wenn sie nie wirklich dort sind. Dafür denken die Kunden das. Die Strehlgasse 2 ist so ein Beispiel. Dort befindet sich das „ Headquarter“ eines vor kurzem gegründeten Versicherungsbrokers. Wo genau man eingeschriebene Briefe abgeben kann, ist nicht ersichtlich. Den Firmennamen sucht man an den Briefkästen oder bei den Klingelschildern vergeblich. Willkommen im Briefkasten-Dschungel von 8001.Unzählige Firmen machen nur etwas: Sie vermitteln Luft plus Parkett. Ergebnis:Unzählige Firmen geben als Domizil die exklusivsten Strassen Zürichs an. Die Briefkastenvermieter unterstützen sie dabei; ist alles koscher. Die wenigen Briefe, die heute noch verschickt werden, leitet man einfach an die „andere“ Firmenadresse weiter. Die häufig irgendwo in der Zürcher Pampa liegt. Zürich spielt ganz vorne mit. Das zeigt sich an einem dieser heissen Tage im Mai. Viele Türen an der Bahnhofstrasse lassen sich erstaunlicherweise ohne Badge oder Code öffnen. In der Eingangshalle sieht es dann nicht mehr so vornehm wie draussen aus. Kleber über Kleber. Manche flattern in der Luft, andere sind durchgestrichen. Hier haben die Pöstler eine herausfordernde Arbeit. An der Bahnhofstrasse 10 befindet sich Dolce & Gabbana. Die Tür ist ein Blindeingang. Hier geht’s weder rein noch raus. An der anderen Strasse befindet sich die Firma Satellite Office. Für 219 Franken im Monat verkauft sie die Zustelladresse Bahnhofstrasse 10. „Für einen professionellen Aussenauftritt ohne dauerhaftes Büro“, wie es auf der Homepage heisst. Blöd nur, dass die Türe nicht aufgeht. 95 Franken kostet der gleiche Schein an der Bahnhofstrasse 71. Wer auf das peinliche c/o verzichten will, zahlt 195 Franken im Monat. Die Domizilagentur, die diese Optionen anbietet, geht noch weiter mit dem Stellvertreter-Business. Sie offeriert ausländischen Firmen mit Sitz in der Schweiz auch noch einen Eidgenossen im Verwaltungsrat oder als Geschäftsführer. Macht noch 300 Fränkli im Monat.