Themen: Demokratie, Geopolitik, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: International, Europa
Island stimmt am Samstag in einem Referendum darüber ab, ob die Verhandlungen über einen EU-Beitritt wieder aufgenommen werden sollen. Der frühere Anlauf war 2015 wegen Konflikten über die gemeinsame Fischereipolitik beendet worden. Die Fischerei steht weiterhin im Zentrum: Sie macht rund 40 Prozent des Exportwerts aus, und viele Isländer fürchten Konkurrenz durch EU-Schiffe und Importe. Die 2024 gewählte proeuropäische Regierung trifft auf eine laut Gallup-Umfrage gespaltene Bevölkerung: Je 46 Prozent waren Anfang August für beziehungsweise gegen neue Gespräche, acht Prozent unentschieden. Die EU signalisiert Kompromissbereitschaft bei Fischbeständen und Zugangsregelungen, da Island als wohlhabendes, bereits über den EWR eng eingebundenes Land als möglicher Erweiterungserfolg gelten würde. Auch die Sicherheitslage spielt mit: Island liegt strategisch nahe der Arktis und Russland, besitzt als einziges NATO-Mitglied keine stehende Armee und ist auf US-Schutz angewiesen. Ein Ja eröffnete Verhandlungen, ein Beitritt bräuchte später ein weiteres Referendum.