Themen: Wirtschaft/Finanzen, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Frankreich zahlte Ende Oktober für zehnjährige Staatsanleihen fast 5 Prozent; der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen lag bei rund 155 Basispunkten. Die Analyse hält es für verkürzt, diese Entwicklung allein als Folge eines französischen Budgetversagens zu deuten. Höhere globale Kreditkosten, die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs und die von Digitalkonzernen ausgegebenen Anleihen zur Finanzierung von Rechenzentren prägten das Umfeld ebenfalls. Zudem hätten Hedgefonds durch kreditfinanzierte Wetten auf geringe Renditeabstände an Bedeutung gewonnen. Bei Trendwechseln könnten sie Titel gleichzeitig abstossen und die Zinsen erhöhen. Anleihemärkte bewerteten nicht bloss Kennzahlen, sondern auch die politische Fähigkeit eines Staates, Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen durchzusetzen. Eine Austeritätspolitik sei deshalb kein sicherer Weg zu niedrigeren Risikoaufschlägen: Bei schwachem Wachstum könne sie die Schuldenquote verschärfen. Eine unbegründete Angst vor einer griechischen Ansteckung könnte so eine rezessive Entwicklung in Frankreich auslösen.