Themen: Wirtschaft/Finanzen, Geopolitik, Ungleichheit
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Lea Haller zeichnet die Entwicklung der Schweiz zum globalen Rohstoffhandelsplatz nach. Heute werde ein Fünftel bis ein Viertel der weltweit gehandelten Rohstoffe über die Schweiz abgewickelt; die Branche trage rund zehn Prozent zum Schweizer Bruttoinlandprodukt bei, beschäftige aber nur etwa 10’000 Personen. Zentral sei nicht der physische Warenverkehr, sondern die Finanzierung von Handelsgeschäften. In den frühen 1970er-Jahren ermöglichte der Paribas-Banker Christian Weyer mit neu eingesetzten Akkreditiven kurzfristige, kapitalintensive Ölgeschäfte, unter anderem für Marc Rich und Pincus Green. Der Transithandel hatte bereits im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen: Schweizer Firmen handelten weltweit mit Baumwolle, Seide, Getreide und anderen Rohstoffen, ohne dass diese Waren ins Land gelangten. Begünstigt wurde der Standort durch politische Stabilität, internationale Verträge, Steuerprivilegien für Holdings, die Verschonung von Weltkriegen und günstige Rahmenbedingungen für Kapitaltransfers. Der Beitrag betont, dass rechtliche und finanzielle Infrastruktur den Rohstoffhandel prägten.