Themen: Innen-Politik, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Die Stadtpolizei Zürich kommuniziert über Gewaltverbrechen im Kreis 4 deutlich häufiger, als es die registrierten Fallzahlen nahelegen. Eine Auswertung von fast 7000 Medienmitteilungen aus zehn Jahren verglich deren Verteilung mit der offiziellen Kriminalstatistik. Von 486’728 erfassten Verbrechen wurden nur 813 öffentlich kommuniziert. Delikte gegen Leib und Leben machen lediglich rund jedes zwanzigste statistisch erfasste Delikt aus, stellen aber 41 Prozent der Polizeimeldungen. Vermögensdelikte machen dagegen fast zwei Drittel aller Delikte aus, aber nur 27 Prozent der Mitteilungen. Im Kreis 4 berichtete die Polizei über Delikte gegen Leib und Leben 89-mal bei 4695 Fällen, während im Kreis 1 zwar mehr Gewaltdelikte registriert wurden, die Kommunikation aber geringer ausfiel. Der Anteil schwerer Delikte erklärt die Differenz nur teilweise. Die Polizei verweist auf Einzelfallentscheidungen, Informationsbedürfnisse und Zeugenaufrufe. Kriminologe Dirk Baier warnt, dass Polizeimeldungen und die anschliessende Medienauswahl das Sicherheitsgefühl prägen und ein verzerrtes Bild der Kriminalität vermitteln können.