Themen: Neutralität, Ukraine Krieg, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, Russland/Eurasien
Jacques Baud kritisiert im Interview die Schweizer Aussenpolitik seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Der frühere Schweizer Nachrichtendienstmitarbeiter und Oberst sieht die Neutralität als aktiven Beitrag zur europäischen Sicherheit: Die Schweiz müsse ihr Territorium verteidigen, aber zugleich einen glaubwürdigen Raum für Dialog und Vermittlung bieten. Mit der Übernahme von EU-Sanktionen gegen Russland und ihrer Haltung am Bürgenstock habe sie dieses Vertrauen laut Baud verloren. Er wirft Bundesrat Ignazio Cassis und dem EDA vor, Konflikte moralisch und parteiisch statt mit dem Ziel eines Friedensschlusses zu behandeln. Die Bürgenstock-Konferenz beurteilt er als ungeeignet, weil Russland nicht gleichberechtigt einbezogen gewesen sei. Baud verlangt, die Interessen beider Konfliktparteien anzuerkennen und Vermittlung ohne Vorurteile zu betreiben. Auch im Verhältnis zu Iran und den USA könne eine strikt neutrale Schweiz nach seiner Auffassung wieder eine Rolle spielen.