Themen: Demokratie, Partei-Politik, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, Europa
Ein Politikwissenschafter führt die starke Polarisierung in Deutschland auf mehrere Faktoren zurück: Brandmauer- und Verbotsdebatten gegenüber der AfD, schwaches Wirtschaftswachstum, enge Verteilungsspielräume, Migration sowie ungleiche öffentliche Infrastruktur. Raumgeografische Daten zeigten, dass der AfD-Anteil dort höher sei, wo staatliche Angebote besonders schwach seien; in ländlichen ostdeutschen Gemeinden bleibe mitunter nur ein Briefkasten als Infrastruktur. Stadt-Land-Gegensätze, soziale Medien und der Verlust lokaler Begegnungsorte verstärkten zudem affektive Polarisierung. Parteien am linken und rechten Rand nutzten sie auch taktisch. Als Gegenmodell nennt er die Schweiz: Konkordanz beziehe unterschiedliche Lager ein, und direkte Demokratie ermögliche verbindliche Entscheide. Volksabstimmungen liessen Gewinner und Verlierer wechseln, böten ein Ventil für Unwillen und könnten hochstrittige Fragen vorübergehend beruhigen. Auch Konflikte wie die Armee-Initiative oder Stuttgart 21 hätten nach Entscheiden an Schärfe verloren. Die Schweiz sei dennoch parteipolitisch stark polarisiert. Konsenslösungen auf kleinstem gemeinsamen Nenner könnten wiederum Unzufriedenheit erzeugen und Polarisierung fördern.