Themen: Gesellschaft, Gleichstellung
Regionen: Schweiz, Zentralschweiz
Fünf Paare aus dem Luzerner Mittelland berichten von unterschiedlichen sexuellen Bedürfnissen und davon, wie sich diese im Verlauf langer Beziehungen verändern. Bei Melanie und Patrick entsprach die frühere Verteilung zunächst einem vertrauten Muster: Er suchte häufiger Sex, sie brauchte dafür Nähe und Verbundenheit. Sandra erlebte dagegen Phasen, in denen sie mehr Lust hatte als ihr Partner Tom. Solche Konstellationen widersprechen weiterhin verbreiteten Vorstellungen, wonach Männer stets mehr Begehren hätten, Sex initiierten und Frauen vor allem begehrt werden wollten. Die Gespräche zeigen, dass Elternschaft, Arbeit, Erschöpfung und wachsende Kinder Bedürfnisse beeinflussen, diese aber nicht vollständig erklären. Menschen können sich auch sexuell unterschiedlich weiterentwickeln. Unterschiede im Verlangen gelten nicht automatisch als Störung; sie können Häufigkeit, Motive oder gewünschte Formen von Nähe betreffen. Traditionelle sexuelle Rollenbilder erzeugen dabei Druck auf beide Partner: Frauen sollen selbstbestimmt sein, Männer zugleich initiativ, sensibel und jederzeit funktionsfähig.