Themen: Demokratie, Gesellschaft, Geopolitik
Regionen: International, Europa
Aleksandar Vučić hat in Serbien nach einem klaren Wahlsieg einer studentisch geprägten Protestbewegung seine Niederlage anerkannt. Der Machtwechsel beendet nach Darstellung des Leitartikels ein System, das Demokratie ausgehöhlt, Medien kontrolliert und auf Korruption gestützt habe. Offen bleibt, wie die heterogene Bewegung ihre Verantwortung in der Aussenpolitik, insbesondere gegenüber Russland, sowie im Umgang mit der eigenen gewalttätigen Geschichte wahrnehmen wird. Zusammen mit der Abwahl Viktor Orbáns in Ungarn wird das Ergebnis als ermutigendes Signal aus Mittel- und Südosteuropa gewertet. Der Text verweist auf weitere zivilgesellschaftliche Mobilisierungen: die Ablösung der PiS in Polen, Proteste gegen den Einfluss Superreicher in Albanien und Demonstrationen in Tschechien gegen eine Rundfunkreform. Den Bewegungen sei ein Kampf gegen Korruption, eingeschränkte Zukunftschancen und profitorientierte Systeme gemeinsam. Westliche EU-Institutionen und linke Kräfte hätten diese Proteste bislang zu wenig beachtet; gerade die serbischen Erfahrungen könnten jedoch für Bewegungen in Westeuropa wichtig sein.