Themen: Neutralität, CH-Politik, Krieg&Frieden
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Wolf Linder erörtert, ob Schweizer Neutralität in Kriegszeiten moralisch vertretbar ist, und unterscheidet zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Persönliche Sympathien für eine Konfliktpartei dürften nicht die staatliche Politik bestimmen, argumentiert er. Als Beispiele nennt er die Spannungen zwischen Deutschschweiz und Romandie im Ersten Weltkrieg, die Haltung im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg. Neutralität ermögliche Vermittlung, Schutzmachtmandate und humanitäre Hilfe für Kriegsopfer beider Seiten. Sie sei nicht Ursache unredlicher Wirtschaftsbeziehungen; dafür seien Gesetzeslücken und Gewinninteressen verantwortlich. Linder diskutiert Handel mit autoritären Staaten, globale Machtverschiebungen und die Verantwortung der Schweiz in der Aussenwirtschaft. Zugleich räumt er historische Neutralitätsverletzungen und den Druck mächtiger Staaten ein. Die gegenwärtige Annäherung an EU und Nato sowie unterschiedliche Bewertungen von Konflikten gefährdeten aus seiner Sicht die Glaubwürdigkeit der Neutralität. Linder befürwortet deshalb deren Verankerung in der Verfassung.